Text von Michael Grzesiak
»Zustand und Flüchtigkeit eines Vorhabens.«

in »Statusklub« by Bea Meyer & Katharina Immekus, artistbook, 2014


Ein Jahr Statusklub. Klub ja, aber Status? Zustand, Sachlage? Soziale Rangordnung? Auf jeden Fall scheint es ernst. Eintritt auf Einladung. Also Macht, Einfluss, Einkommen? Die Kombination, Status, kulturelle Abgrenzung gesellschaftlicher Schichten? Zustand, Lage, Stellung? Prominente Adresse. Status ließe sich kombinieren mit Symbol oder Angst, aber Klub? Und Klub: ein Ort für den sozialen Zusammenschluss. Wessen? Vor welchem Hintergrund? Menschen mit gemeinsamen Zielen, Interessen?

Zwei Künstlerinnen mit Ausstellungserfahrung konzipieren als Projekt einen Raum für Ihre Arbeiten und ein spezielles Publikum. Sie thematisieren sich selbst, sich gegenseitig, den Raum und seine Besucher für zwölf Monate. Sie entwickeln Ausstellungen und schaffen dazu Arbeiten. Sie laden persönlich wenige, ihnen wichtige Menschen ein. Die Eingeladenen können eine Person mitbringen. Es gibt nur Eröffnungen und persönliche Führungen. Künstler und Besucher. Keine Besuche ohne Künstler.

Was das Projekt ist, erklärt am besten, was es nicht ist und nicht gibt. Es gibt keinen Kurator, keinen Galeristen, keine Öffnungszeiten. Es ist kein »white cube«, keine Galerie, keine zum Ausstellen genutzte Wohnung, kein dazu genutztes Büro, kein zwischengenutzes Ladenlokal, keine Szenebar der Künstlerinnen. Es gibt kein Türschild, keine VIP-Empfänge, keine Musik, kein Essen, keine Nachbargalerien, keine Flyer, keine Kinder, keine Hunde, keine Selbstbedienung, kein Open End. Kein Desinteresse, kein Chichi. Wenig ist so, wie man es kennt, auch wenn es nicht so scheint.

Es gibt zwei Ausstellungsräume im 3.OG, Gründerzeit, passendes Licht, ein Foyer mit Tresen, einige wenige, zu den Eröffnungen wechselnde Getränke mit professionellem Ausschank. Einen festgelegten Zeitrahmen der Veranstaltungen, eine Einführung der Initiatorinnen.

Die Künstlerinnen schaffen einen Raum auf Zeit durch den Rahmen seiner Bedingungen. Basis ist die Lust an der Sache selbst, Erfahrung und Experiment. Während der drei Stunden der Eröffnungen wächst eine Atmosphäre aus Interesse und Ausgelassenheit. Ein Zustand ernsthafter Leichtigkeit, eine ephemere Choreographie unsichtbarer Kräfte und sozialer Netzwerke, ein Reinraum der kollektiven Kunstbetrachtung.

Was gibt es naheliegenderes für Kunstinteressierte, als sich gemeinsam mit dem Künstler dessen Werk auszusetzen, und was für den Künstler, als ein direktes Feedback von Menschen, deren Meinung er schätzt. Actio und Reactio. Gegenseitige Situationsbestimmung. Zustandsaufnahme. Sich gemeinsam in einen Zustand begeben, unmittelbar, einzig bedroht durch die Flüchtigkeit des Moments. Status versus Volatilität.

Nicht der Status selbst, sondern seine Flüchtigkeit ist es, die dem Status seine Bedeutung verleiht, die Unbeständigkeit der Sympathien, die Volatilität als Maß für Schwankung und dem damit verbundenen Risiko. Vor allem und gerade in der Kunst. Umso gewagter ist es, sich mit seinem Werk direkt dem Publikum auszusetzen und den Besucher in den Zustand zu bringen, sich durch diese Nähe selbst zu sehen.